So schreibst du deinen Lebenslauf als Intensivpflegerin (Schritt für Schritt)
Du hast jetzt drei funktionierende Vorlagen. Der nächste Schritt ist nicht „noch schöner formulieren“, sondern deine Version so zu bauen, dass sie in 20 Sekunden sitzt. Stell dir vor, die Stationsleitung liest deinen CV zwischen zwei Telefonaten. Was muss sofort hängen bleiben? Setting, Tools, Sicherheit.
a) Profil (Professional Summary)
Die beste Formel ist fast schon langweilig – und genau deshalb funktioniert sie: [X Jahre] + [Setting/Spezialisierung] + [1 messbarer Beitrag] + [Zielrolle]. In der Intensivpflege darf das ruhig technisch klingen. „Beatmung, invasives Monitoring, RASS/CAM-ICU“ ist kein Jargon – das ist dein Handwerk.
Wenn du dich spezialisierst (z. B. Richtung Neonatologie Pflegeperson), dann nenn es klar – aber nur, wenn es durch Praxis oder Fortbildung gedeckt ist. Recruiter merken sofort, wenn jemand „Neonatologie“ schreibt, aber nur internistische Erwachsene gepflegt hat.
Weak version:
Ziel ist eine Stelle auf der Intensivstation, wo ich meine Stärken einbringen kann.
Strong version:
Intensivpflegerin mit 4 Jahren Erfahrung auf interdisziplinärer ICU, Schwerpunkt Beatmung, Weaning und Delir-Assessment (RASS/CAM-ICU). Habe die Vollständigkeit der Sedierungsdokumentation in meinem Team in 6 Wochen von 72% auf 94% erhöht. Suche eine DGKP Intensivstation-Rolle mit Fokus auf Patient:innensicherheit und strukturierte Übergaben.
Warum das wirkt: Du gibst dem Gegenüber eine klare Schublade („kann ICU“) und einen Grund, dich einzuladen („liefert messbar Qualität“).
b) Berufserfahrung
Schreib in umgekehrt chronologischer Reihenfolge und mach aus Tätigkeiten Ergebnisse. In ICU ist „zuständig für“ wertlos, weil es nichts beweist. Nimm stattdessen Situationen, die jede Station kennt: Weaning, Sepsis, Übergaben, Perfusoren, Hygiene, Dokumentation, Angehörige.
Ein guter Bullet hat immer diese Bausteine: Verb + Tool/Standard + Kontext + Zahl/Resultat. Die Zahl kann eine Rate, Zeit, Quote oder ein Vorher/Nachher sein.
Weak version:
Durchführung von Pflegedokumentation und Überwachung der Vitalzeichen.
Strong version:
Dokumentierte Vitalparameter und BGA-Trends im KIS und eskalierte Abweichungen nach SBAR; verkürzte die Zeit bis zur Therapieanpassung bei 20 Fällen im Schnitt um 12 Minuten.
Damit du schneller schreibst, hier Verben, die in Intensivpflege-Bullets „natürlich“ klingen (und nicht nach Bürojob):
- Überwachte, titrierte, eskalierte, stabilisierte, koordinierte
- extubierte (mit Team), weanete (begleitete), lagerte (Bauchlagerung), bilanzierte
- implementierte, standardisierte, auditierte, coachte, schulte
- dokumentierte, validierte, interpretierte (BGA), priorisierte
c) Kenntnisse (Skills) – ATS-Strategie für Österreich
ATS heißt in der Praxis: Dein CV wird nach Begriffen abgesucht, die in der Anzeige stehen. In Österreich sind das bei Intensivpflege oft Beatmung, Monitoring, Perfusoren, Sepsis, Delir, Hygiene, KIS plus Zertifikate/Standards.
Mach es dir leicht: Nimm 2–3 aktuelle Stellenanzeigen (Klinik, Ordensspital, Spitalverbund, Leasing) und markiere die wiederkehrenden Wörter. Genau diese Wörter gehören in deine Skills – nicht „kommunikativ“.
Hier ist eine solide Keyword-Liste für den AT-Markt, profession-spezifisch:
Hard Skills / Fachliche Skills
- Invasives Monitoring (A-Linie, ZVK), hämodynamisches Monitoring
- Beatmung, Weaning, NIV/High-Flow
- Katecholamin-Titration nach SOP
- Sepsis-Management / Sepsis-Bundles
- Delir-Assessment (CAM-ICU), Sedierung (RASS), Schmerzassessment (NRS)
- BGA/ABG-Interpretation, Bilanzierung
- Tracheostoma-Management, Sekretmanagement
- Bauchlagerung (Proning) nach Standard
- CRRT-Grundlagen (je nach Station)
- Spezialisierung: Neonatologie Pflegeperson (nur wenn zutreffend)
Tools / Software
- KIS / elektronische Pflegedokumentation (hausabhängig)
- Perfusoren, Infusomaten, Spritzenpumpen
- Monitoring-Systeme (z. B. Multiparameter-Monitoring)
Zertifikate / Standards
- Reanimation: BLS/ALS (hausintern oder anerkannt)
- Hygienestandards (MRSA/ESBL-Isolation, Katheterpflege)
- SBAR-Übergaben, CIRS-Grundverständnis
d) Ausbildung & Fortbildungen/Zertifikate
In Österreich zählt zuerst die Basis: DGKP-Diplom (bzw. anerkannte Ausbildung) sauber mit Institution und Zeitraum. Danach kommen Fortbildungen, die wirklich ICU-relevant sind: Reanimation (BLS/ALS), Beatmungs-/Weaning-Schulungen, Delir/Sedierung, Hygiene, ggf. Nierenersatzverfahren. Schreib Fortbildungen nicht als „Seminar besucht“, sondern als Signal: „Kann Standards anwenden“.
Wenn du gerade in einer Weiterbildung steckst, schreib sie ehrlich als „laufend“ mit Startdatum. Das wirkt besser als ein Loch im Lebenslauf – und es zeigt Entwicklung. Was du weglassen kannst: sehr alte, fachfremde Kurzkurse ohne Bezug zur Intensivpflege.